Marion und Wolfgang Emanuel aus der Israelitischen Töchterschule

Marion und Wolfgang Emanuel waren zwei Kinder, die in die Israelitische Töchterschule am Papendamm 3 gingen und am 19. Juli 1942 über den Schulhof der Schule Schanzenstraße nach Theresienstadt deportiert wurden. Beide wurden in Auschwitz ermordet. Stolpersteine erinnern vor dem Heußweg 17 an sie.

Marion Emanuel war am 25.Dezember 1935 und Wolfgang am 29. Dezember 1935 in Hamburg geboren. Ihre Mütter war Rosa und Frieda Emanuel. Da ihre Väter nichtjüdisch war es ihnen verboten, zu heiraten. Rosa war die Mutter von Marion Ella Emanuel, Frieda die von Wolfgang Emanuel. Beiden Müttern wurde „Rassenschande“ vorgeworfen. Als jüdische Frauen wurden sie nicht vor Gericht gestellt und „rechtskräftig“ verurteilt, sondern von der Gestapo einfach weggesperrt.

Frieda hatte bis zu ihrer Verhaftung bei ihren Eltern gewohnt. Sie wurde 1938 im KZ Fuhlsbüttel inhaftiert und im November 1938 ins KZ Lichtenburg überstellt. Mitte Mai 1939 wurde sie zusammen mit den anderen Lichtenburger Frauen ins KZ Ravensbrück ver­­legt.

Nach dem Auszug aus der elterlichen Wohnung in der Henriettenstraße wohnte Rosa seit 1938 in der Amandastraße 28. 1941 wurde sie zunächst in Fuhlsbüttel inhaftiert und kam von dort ins KZ Ravensbrück, vermutlich im März 1941.

1942 wurden beide Schwestern im Rahmen der „Aktion 14 f 13“ in der Tötungsanstalt Bernburg a. d. Saale ermordet. Die „Aktion 14 f 13“ war die Fortführung des „Euthanasie“-Programms der Nationalsozialisten, wonach „lebensunwertes“ Leben systematisch vernichtet wurde. Die Zahl der Opfer allein der „Sonderbehandlung 14 f 13“ wird auf zwanzigtausend Menschen geschätzt, darunter ca. 1.400 Frauen und Männer, mehrheitlich jüdischer Herkunft, aus dem Konzentrationslager Ravensbrück.

Marion und Wolfgang Emanuel lebten vorübergehend im Israelitischen Waisenhaus. Ihre Tante Bertha Kahl, geb. Emanuel, kümmerte sich darum, dass sie bei sie den hilfsbereiten „arischen“ Nachbarin namens Mettke im Heußweg 17 wohnten. Die Mettkes wollten die kleine Marion sogar adoptieren, aber das wurde durch den Deportationsbefehl vereitelt.

Die Mettkes waren wohl mit Bertha Kahl befreundet, schreibt Susanne Lohmeier in der Stolperstein-Biographie zu den Stolpersteinen im Heußweg 17. Beide Ersatzmütter packten kleine Rucksäcke und brachten die Kinder am 19. Juli 1942 zum Sammelplatz in der Schule Schanzenstraße.

Ein letzter Brief der Kinder an die Eltern, mangels Adresse an die Gemeinde geschickt und einer E­rwachsenen diktiert, ist erhalten: „Hier sagen alle, wir werden immer größer und dicker und frecher (…)“.

In Eimsbüttel und Hoheluft-West liegen insgesamt sieben Stolpersteine für die Familie Emanuel. Die Steine für Hertha, verheiratete Parnass, und Rena Rahel, verheiratete Drehmel, liegen in der Methfesselstraße 13 und in der Gärtnerstraße 117.

(aus der Stolperstein Biographie über Marion und Wolfgang Emanuel)

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